Fluke Blog - Was ist aus Kategorie 7 geworden?

15.01.2019
Wenn Sie eine Google-Suche „Was ist aus… geworden“ ausführen, dann haben alle Hauptergebnisse der Suche mit ehemaligen Berühmtheiten oder dem schaurigen 1962 Thriller mit Joan Crawford und Bette Davis über Baby Jane zu tun.
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Und wenn Sie die Google-Suche vervollständigen „Was ist aus der Kategorie 7 geworden“, dann erhalten Sie nur eine hypothetische Katastrophenbewertung für eine TV-Miniserie, die als „das Ende der Welt“ bezeichnet wird. Anders ausgedrückt: Kategorie 7-Kabel war offensichtlich nicht beliebt genug, es in die Google-Suchen zu schaffen.

Aber was ist jetzt wirklich aus Kategorie 7 geworden? Machen wir eine weitere Reise in die Vergangenheit.

Ein hektisches Jahr

Kategorie 7-Kabel wurde 2002 im ISO/IEC 11801-Standard ratifiziert. Das Kabel war ausgelegt, die strengen Channel-Spezifikationen Klasse F bezüglich Nebensprechen und Störungen zu erfüllen und war ein voll abgeschirmtes S/FTP-Kabel mit von Folienabschirmung umwickelten einzelnen Paaren und einem äußeren geflochtenen Schirm um alle vier Paare.

Kategorie 7 mit 600 MHz wurde hauptsächlich zur Unterstützung von 10 Gigabit-Ethernet über 100 Meter eingeführt. Es ist jedoch eine interessante Note, dass der Standard für 10 Gig Ethernet über Kupfer, oder 10GBASE-T, von IEEE erst 2006 veröffentlicht wurde!

2002 war auch für TIA ein sehr beschäftigtes Jahr. Die Ratifizierung von Kategorie 6 im Juni dieses Jahres war ein Ereignis, das von der Branche als ein wichtiger Meilenstein angesehen wurde, da es fast fünf Jahre erforderte und mehrere technische Herausforderungen überwinden musste, um Gigabit Ethernet unterstützen zu können.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte TIA auch den Standard 607-A, Erdung und Kontaktierung, und den Standard 606-A, Administration, die die benötigten Richtlinien enthalten, die zum Etikettieren von Steckdosen und Kabeln, Konsolidierungspunkten, Stromschienen und sogar Brandschutzstellen erforderlich sind, und sie veröffentlichten

Während sie wahrscheinlich kaum zu dem hektischen Jahr für TIA beigetragen hat (es wurden auch mehrere weniger bekannte Normen in diesem Jahr veröffentlicht), war Kategorie 7 einfach ihrer Zeit voraus, und da noch keine Anwendung danach verlangte, beschloss TIA, Kategorie 7 nicht anzuerkennen. Daher fand sie kaum Anerkennung im Nordamerikanischen Markt.

Jedoch konnte man zahlreiche Kategorie 7-Installationen in Ländern wie der Schweiz oder Deutschland finden, wo abgeschirmte Kabel aufgrund der strengeren EMC-Vorschriften der de facto-Standard sind.

Mehr zu geben

Ohne viel Aufmerksamkeit in der Branche und überschattet von der Ratifizierung von Kategorie 6 und den ersten Kategorie 6A-Systemen, die nur zwei Jahre später den Markt erreichten (ihrer TIA-Ratifizierung 2008 weit voraus), ist es leicht zu verstehen, dass so mancher nie etwas von Kategorie 7 gehört hat – trotz der Tatsache, dass sie technisch das einzige normenbasierte Kabelsystem war, das 10GBASE-T bei seiner Freigabe unterstützen konnte.

Aber das soll nicht heißen, dass Kategorie 7 nicht auch weitere Vorteile zu bieten gehabt hätte. Kategorie 7 kann mit RJ45-kompatiblen GG45- oder TERA-Steckverbindern konfektioniert werden (achten Sie auf weitere Neuigkeiten über diese Steckverbinder in einem künftigen Blog). Das Vier-Quadranten-Design des TERA-Steckverbinders in Kombination mit den vier einzeln abgeschirmten Paaren von Kategorie 7-Kabel bedeutete, dass mehr als eine Anwendung über die verschiedenen Paare ausführen konnte, was als Kabel-Sharing bezeichnet wird.

Das bedeutet, dass ein einzelner Kategorie 7-Kanal zur Unterstützung von 10/100BASE-T über nur zwei Paare konfiguriert werden konnte, was zwei weitere Paare für einen zusätzlichen 10/1000BASE-T-Kanal, einen VoIP-Kanal oder zwei 1-Paar analoge Voice-Kanäle bereitstellte.

Die Geschichte wiederholt sich

Trotz der Fähigkeiten zum Kabel-Sharing hatte Kategorie 7 wirklich keine echte Chance. 2010 führte ISO/IEC Klasse FA-Channels und Kategorie 7A-Kabel ein. Kategorie 7A sollte ursprünglich das künftige 40 Gigabit Ethernet über Kupfer unterstützen und erhöhte die 600-MHz-Frequenz von Kategorie 7 auf 1000 MHz.

Logo: FlukeWieder einmal ihrer Zeit voraus (da 40GBASE-T erst vor zwei Jahren zum Standard wurde), machten die Frequenz von 1000 MHz und der niedrige Verzögerungsversatz Kategorie 7A ideal für CATV und andere Video-Anwendungen, die viel höhere Frequenzen erforderten. In der Tat verlangen mehrere Hersteller von AV-Geräten die Verwendung von Kategorie 7A in ihren Systemen.

Während Kategorie 7A auch nie innerhalb TIA anerkannt wurde, hat sie heute eine Nische in AV- und Kabel-Sharing-Anwendungen gefunden, und sie ist weiterhin beliebt für das LAN-Verkabeln in Teilen Europas. Und das ist so ziemlich das Ende von Kategorie 7, wie wir sie kennen (oder wie wir sie nicht kannten).

Unglücklicherweise hat sich die 1000 MHz-Leistung von Kategorie 7A als unzureichend für 40GBASE-T herausgestellt, die IEEE für abgeschirmte Kategorie 8 TIA- und Kategorie 8,1/8,2- (ISO/IEC) Kabel mit Spezifikation für 2000 MHz definierte. Aber das Gerücht geht um, dass es eine recht einfache Aufgabe war, das Kategorie 7A-Kabel an Kategorie 8-Konformität anzupassen, da es bereits voll abgeschirmt und der Leistung von Kategorie 6A weit voraus war.

Author: Mark Mullins

Quelle: Fluke Deutschland


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