Mit VoIP im Wireless Lan telefonieren - Projekterfahrungen

15.02.2003
Mobil erreichbar sein ist heute in vielen Unternehmen ein Muss! Gerade Mitarbeiter im internen Service sind oft kaum am Schreibtisch zu finden sondern reparieren, schulen oder befinden sich auf dem Weg zum Einsatzort.

Die naheliegende Lösung, ein drahtloses Telefon, funktioniert nicht immer. Denn gewöhnliche DECT-Telefone sind für den Hausgebrauch entworfen. Diese Erfahrung sollte ein Anwender letztes Jahr machen. Auf dem weitläufigen Areal mit mehreren tausend Quadratmetern Fläche sollten drahtlose Telefon den Mitarbeitern die Verständigung erleichtern. Schnell stellten die Techniker fest: viel abschirmendes Metall in den Hallen und die großen Entfernungen machten den Einsatz von handelsüblichen DECT Telefonen unmöglich. Selbst Repeater konnten die Kommunikation nicht zuverlässig genug herstellen. Keine einfache Situation, denn der Stand der Dinge, Verständigung über Pager, war absolut nicht mehr zeitgemäß, eine Alternative dringend notwendig.

Die Lösung: IP-Telefonie

In der Regel vermutet man IP-Telefonie eher in massiven Call-Centern oder in Großraumbüros. Doch die Technologie ist schon viel weiter. Das IT-Personal des Anwenders bediente sich zur Lösung ihres Reichweitenproblems bei den drahtlosen IP-Telefonen eines amerikanischen Herstellers. Diese Telefone unterschieden sich nicht von einem gewöhnlichen DECT-Gerät, kommunizierenaber per TCP/IP und H.323 Protokoll miteinander. Für die Sprachcodierung und Dekodierung ist eine entsprechende Telefonanlage, eigentlich ein Daten/Sprachumwandler nötig. Eine moderne Software basierende H323 VoIP Telefonanlage bietet in jeder Hinsicht die notwendigen Funktionen umIP Telefone mit der vorhandenen TK-Anlage zu verknüpfen. Das war ein ganz wichtiger Punkt für den Kunden: bestehendes Telefonequipment musste mit eingebunden werden. Die Verbindung mit der Außenwelt läuft über eine ISDN-Primärmultiplexkarte (S2M) mit 30 Kanälen und mündet in eine Standard Telefonanlage eines großen deutschen Herstellers. Änderungen an der TK-Anlage waren nicht notwendig, der TK-Techniker reservierte lediglich den Nummernbereich für die zusätzlichen Nebenstellen.

Erreichbar über alle Leitungen

Insellösungen kamen für dn Kunden nicht in Frage. Die vorhandenen, drahtgebundenen Telefone mussten die mobile IP-Geräte intern anrufen können und umgekehrt. Ausserdem sollten von jedem Apparat, gleich ob Festnetz oder TCP/IP, Gespräche nach außen möglich sein. Die IP TK-Anlage ist deshalb an der normalen Telefonanlage als einzelne Nebenstelle angeschlossen. Internen Durchwahlen z.B. der 516, stellt die IP TK-Anlage eine 39 voran. So bleiben das Schema der dreistelligen Durchwahlen gültig und die IP-Telefone sind ohne Konfigurationsänderungen Bestandteil der normalen TK-Anlage. Zwei Windows NT Server übernehmen die Aufgabe der IP-Telefonanlage. Auf dem Gateway geschieht die Nummernübergabe und Verwaltung der physikalischen Leitungen. Hier ist auch die S2M ISDN-Karte eingebaut. Der Gatekeeper hingegen kümmert sich um die Wandlung von IP- in Sprachdaten und umgekehrt und bildet die Funktionen einer herkömmlichen TK-Alanlage mit Anklopfen, Dreierkonferenz und ähnlichem nach. Für beide Server genügt ein moderater Pentium III 500 Prozessor mit 128 MB RAM Arbeitsspeicher.

Gelände mit Acccess-Points abgedeckt

Das riesige Gelände kann nicht zentral abgedeckt werden. 43 FunkLAN Access-Points wurden an vorher ermittelten Stellen aufgebaut, um Telefonate an praktisch jeden Fleck zu ermöglichen. Mit vollem Erfolg. Mitarbeiter der Papierfabrik berichten: „Es gibt zwar ein paar Ecken, an denen die Verständigung nicht so gut ist, aber abgesehen davon funktionieren die IP-Telefone optimal.“ Damit die Bandbreite der Access-Points, auch im Hinblick auf spätere Erweiterungen, nicht zum Flaschenhals wird, verlegte das IT-Personal ein eigenes 100 MBit Ethernet, dass über einen Router mit dem Rest des Netzwerks verbunden wurde. Engpässe sind bislang unbekannt, ein Test mit 70 gleichzeitigen Gesprächen verlief problemlos. Im Moment wird der ITU-Standard G.711 zur Sprachkomprimierung eingesetzt, damit kann jeder Access-Point gleichzeitig vier Gespräche verarbeiten. Sobald auf den neuen Standard G.729 umgestellt wird, sind zwölf Gespräche möglich. In der Praxis führte die Beschränkung auf vier gleichzeitige Telefonate noch nichtzu Problemen. Jedes Telefon ist ständig im Empfangsbereich von zwei oder mehreren Access-Points. Meldet einer „Belegt“, schaltet das Telefon zum nächsten weiter. Momentan sind 80 Telefone im Einsatz, Tendenz steigend.

Synergiefunktionen noch lange nicht ausgenutzt

Telefonieren ist beileibe nicht alles, was mit einer modernen Software basierenden H323 TK Anlage möglich ist. Bislang werden die Synergiefunktionen noch lange nicht ausgenutzt. Im Moment implementieren die Entwickler gerade eine Alarmfunktion für kritische Betriebszustände der Produktionsanlagen. Wenn etwas passiert, gibt der Leitstand Grund und Auswirkung über das Netzwerk an die Software TK-Anlage weiter. Der entsprechende Mitarbeiter erhält daraufhin einen Anruf, komplett mit allen Informationen über den Vorgang. In der nächsten Stufe werden erweiterte Endgeräte von Vision eingesetzt, die einen Scanner enthalten. Barcodes oder andere Informationen landen damit sofort in einer Datenbank am Server, ohne lästiges Kabel oder regelmäßige Updates. Die TK-Anlage kann natürlich noch mehr. Telefonbücher, Anrufpläne mit Wiedervorlage, eine Voice-Box, Least-Cost Routing Funktion und Outlook Integration – alles eingebaut. Davon profitiert der Kunde im nächsten Schritt. Dann werden auch die drahtgebundenen Telefone Schritt für Schritt durch IP-Geräte ersetzt und das telefonieren erst so richtig komfortabel.


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