Bildschirme flüstern - Bedrohung durch Lauschangriffe

28.11.2002
Mit einfachen Mitteln können Spione Monitorinhalte durch den Empfang abgestrahlter Signale ermitteln. Unternehmen sollten deshalb ihre DV Geräte und Datenleitungen sorgfältig prüfen.

Kompromittierende Emissionen haben ihren Ursprung in elektromagnetischen Feldern und Wellen, die überall da entstehen, wo Elektrizität am Werk ist: Alle Elektrogeräte, und auch Kabel, strahlen Energie ab. Das ist längst bekannt, und der Benutzer eines Toasters wird deshalb kaum beunruhigt sein.

Anlaß zur Sorge geben allerdings Geräte, die digitale Daten verarbeiten. Denn alle Komponenten der IT-Technik, also zum Beispiel PCs, Tastaturen, Monitore, Drucker, Moderns und Leitungen schicken mit den abgestrahlten Wellen Informationen in die Umgebung. Ein Bildschirm verrät auf diese Weise den Bufferinhalt, den er darstellt, Kabel und Modems versenden die Daten, die sie augenblicklich transportieren.

Das Risiko eines Lauschangriffs hängt von der Art der Abstrahlung ab. Weil die Geräte unterschiedlich aufgebaut sind, emittieren sie verschieden stark, mit unterschiedlichen Strahlungsprofilen. Die elektromagnetischen Emissionen enthalten unter Umständen geheime Informationen eines Unternehmens, die Spione mit einer entsprechenden Ausrüstung auch über größere Entfernungen hinweg auffangen können.

Jeder kann mithören

Kompromittierende Emissionen sind bereits seit den 40er Jahren bekannt, wobei sich bisher vorwiegend das Militär und Geheimdienste dem Empfang und der Abwehr gewidmet haben. Heute bedeuten die Abstrahlungen ein rasch zunehmendes Geschäftsrisiko, das noch viel zu wenig bekannt ist und von den Unternehmen noch zu wenig berücksichtigt wird. Nicht nur elektromagnetische Felder, sondern auch Oberflächenwellen und ungewollte Netzsignale lassen Geschäftsdaten nach außen durchsickern.

Kompromittierend nennt man daher alle Emissionen, die digital verarbeitete Informationen in sich tragen. Durch Oberflächenwellen können Daten auf den Leitern der Kabelschirmung wandern und auch in Stromversorgungsnetzen sind kompromittierende Emissionen bekannt. Dort breiten sich unerwünschte Signale als Spannungen und Ströme ähnlich wie die Signale der Netztelefonie oder eines Babyphone aus. Die Reichweite dieses Effekts hängt vom Aufbau des Stromnetzes ab.

In der Regel können Informationen innerhalb eines Gebäudes oder Gebäudekomplexes auf den zusammenhängenden Phasenleitungen empfangen werden.

Je nach dem, welche Mittel ein Angreifer einsetzt, fällt die Qualität des Empfangs unterschiedlich aus. Schon mit Investitionen von rund 600 Mark erhalten Spione eine Ausrüstung, die "gestohlene Informationen" brauchbar reproduziert. Wer alphanumerische oder grafische Zeichen entziffern will, muß circa 1000 Mark ausgeben.

Es ist also höchste Zeit, daß Unternehmen dem Schutz vor Angriffen auf Informationssysteme die notwendige Aufmerksamkeit schenken. Denn die Möglichkeiten, in ein Netz einzudringen, sind grenzenlos.


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