Verkabelungswissen: Festlegung der IT- und Netzwerk-Räume

30.12.2002
Bei der Erarbeitung einer Gebäudespezifikation darf nicht vergessen werden, anzugeben, welche Flexibilität und Anpassungsfähigkeit das Designteam umsetzen sollte.

Schon mit der Definition, der Dimensionierung und den vorgesehenen Anschlüssen in den einzelnen Räumen des Gebäudes kann man ein erhebliches Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit schaffen.

Die Fähigkeit, Systeme der Informationstechnologie (IT) einzubinden, hängt davon ab, ob ausreichend IT-Versorgungsflächen, d. h.Rechnerräume, Steigleitungen, Verteilerräume, Verteilerschränke usw.vorhanden sind. Ebenfalls erforderlich ist ein ausreichender Platz für die benötigte Stromversorgung und die Klimaanlagen. Die IT hat umfassende Auswirkungen auf dieFunktion des Gebäudes und zwar über dessen gesamte Nutzungsdauer hinweg. JederTeil des Gebäudes muss flexibel an neue Anforderungen anpassbar sein.

Zur nutzbaren Fläche (Nettonutzfläche) des Gebäudes zählendie Räume, in denen das Unternehmen sein Personal, seine technischen Anlagenund die Möbel unterbringen kann. Praktischerweise muss die Nettonutzfläche sobemessen sein, dass die Menschen auch ausreichend Bewegungsfreiheit zwischen denSchreibtischen haben. In der Mehrzahl der Gebäude nimmt die nutzbare Flächeetwa 65 % der Bruttofläche ein. Der Rest ist nicht frei verfügbare Fläche,die bereits auf die eine oder andere Art belegt ist. Dazu zählen Fahrstühle,Treppen, Korridore, Treppenabsätze, Räume mit betriebstechnischen Anlagen,Toiletten und Versorgungsschächte. Allgemein hat sich im letzten Jahrzehnt diejedem Büroangestellten zur Verfügung gestellte Fläche erhöht, da durch dieIT mehr Technik am Arbeitsplatz untergebracht werden musste, ohne dass man aufschon vorhandene Geräte verzichten konnte. Allerdings sind auch hier Veränderungenzu verzeichnen, und mit dem Aufkommen von Hochgeschwindigkeitsnetzen undintegrierten Diensten auf leistungsstarken, intelligenten Workstations wirdletztendlich auch immer weniger Platz benötigt. Die Automatisierung derRoutinearbeiten und die erhöhte Beschäftigungsflexibilität führt zu einergestiegenen Nachfrage nach Sitzungssälen und anderen "Gruppenräumen"auf Kosten der normalen Büroflächen. Doch in den "normalen" Bürossind die Menschen sowieso immer seltener anzutreffen. Stattdessen wird davonausgegangen, dass sich mehrere Angestellte einen Raum teilen, wenn sie ebengerade auf Arbeit sind.

Bei der Auswahl eines Bürogebäudes bzw. genauer bei der Erstellung der Leistungsbeschreibung oder der Planung für einen Neubau sollte die Wahrscheinlichkeit einer tief greifenden Nutzungsänderung von Anfang an mit in Erwägung gezogen werden. Änderungen im Nutzungsmuster können dazu führen, dass das Gebäude an mehrere Parteien vermietet werden muss oder dass der Hauptmieter es weiter vermietet. Diese Möglichkeit sollte natürlich schon beider Festlegung der Steigleitungen, Schränke und Räume beachtet werden.

Im Rahmen der Planung der Stromversorgung, der Kühlung und der Verkabelung sollte das Designteam von der maximalen Belegungsdichte des Gebäudes ausgehen. Ein Arbeitsplatz von nur 5 Quadratmetern ist zwar möglich, aber ungewöhnlich.Trotzdem ergibt dies unter Berücksichtigung zusätzlicher Verkehrsfläche und anderer Bereiche, in denen keine Menschen untergebracht werden können, bereits insgesamt 8 Quadratmeter vermietbare Fläche. Besser sollte man allerdings von ca. 10 Quadratmetern vermietbarer Fläche pro Person ausgehen.

Tiefe und Anpassungsfähigkeit der Räume

Die "Tiefe" eines Raumes ist seine Entfernung vom nahest gelegenen Fenster. Dieser Wert ist von Bedeutung, da nur Arbeitsplätze in Fensternähe vom einfallenden Sonnenlicht und einem Blick nach draußen profitieren.

Zur Vereinfachung werden wir hier nur zwischen drei Raumtiefen unterscheiden:

A – Der nicht weiter als 6 m von einem Fenster entfernte Raum eignet sich gut für Bürowaben, aber auch für Großraumbüros.

B – Der von 6 bis 12 m von einem Fenster entfernte Raum istf ür Bürowaben nicht geeignet, kann aber für Großraumbüros genutzt werden, obwohl dies nicht zu empfehlen ist.

C – Mehr als 12 m von einem Fenster entfernte Flächen dürften, was das Büro anbetrifft, eigentlich nur noch als Sitzungsräume Verwendung finden. Da hier ein einfacher Zugang zu den Steuerungen und Hausversorgungen gewährleistetist, eignen sich diese Flächen jedoch für die Unterbringung von Maschinen und Anlagen und für die Lagerhaltung.

Traditionell wird die Tiefe A für Büros bevorzugt, da hier eine natürliche Beleuchtung sowie ein freier Blick nach draußen möglich ist. Großraumbüros lassen sich leichter einrichten, wenn eine Kombination aus den Raumtiefen A und B (oder sogar C) gegeben ist. Einige Märkte, wie der Finanzsektor, fragen sehr große Räume mit einem relativ hohen Anteil an Tiefe C nach.

Der Organisationsstil eines Büros wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu zählen die eingesetzte Technologie, die Wünsche des Personals, die Situation auf dem Arbeitsmarkt, die Beleuchtung und die Gesetzgebung.

Die Mehrzahl dieser Faktoren ändert sich ziemlich willkürlich,so dass die Planer einen hohen Grad an Anpassungsfähigkeit und Ausnutzung der Raumtiefe vorsehen müssen. Sowohl Langzeitmieter wie auch Eigentümer profitieren von einem hohen Anpassungsgrad der von ihnen genutzten Gebäude.

Ganz klar ist es für die Mieter von Vorteil, wenn sich das Gebäude auf ihre wechselnden Anforderungen einstellen kann. Die Eigentümer wiederum ziehen daraus ihren Nutzen, weil ein solches flexibles Haus seinen Wert länger behält und höhere Mieteinnahmen erzielt. Allerdings sollten die Mieter die Gesamtkosten der Nutzungsdauer eines Gebäudes berücksichtigen. Bei einer nur kurzzeitigen Nutzung kann es durchaus angebracht sein, sich für ein weniger anpassungsfähiges Gebäude mit niedrigerer Miete zu entscheiden und dann höhere Kosten in Kauf zu nehmen, wenn man schließlich doch länger dort bleiben und das Gebäude verändern möchte.

Verteilerräume

Im Verteilerraum wird das Backbonekabel an den Etagenverteiler angeschlossen. Früher nutzte man Steigleitungsschränke zur Unterbringung der Verteiler für die Telefonleitungen. Diese kleinen, praktisch wartungsfreien Schränke wurden mit der Zeit immer größer, da sie nun auch Datenkabel, Gestelle und Elektronik aufnehmen mussten. Der zunehmende Platzbedarf führte dazu, dass die Abmessungen der Schränke ganz erheblich anwuchsen bzw. die Schränke durch separate Räume ersetzt wurden. Diese größeren Räume werden als "EDV-Verteilerraum" bezeichnet.

Der wohl wichtigste Parameter, der bei der Auswahl des Standortes des EDV-Verteilerraumes zu beachten ist, besteht in der Länge der Kabel, die vom strukturierten Verkabelungssystem und den letztendlich eingesetzten IT-Anwendungen vorgegeben wird. Da bei der Planung des Gebäudes häufig nicht bekannt ist, welches Verkabelungssystem zum Einsatz kommen wird, sollte man zwischen dem Verteilerraum und der Anschlussdose am Arbeitsplatz eine maximale Kabellänge von 90 m (wie in den Verkabelungsstandards angegeben) vorsehen.

Die folgenden vier Faktoren führen dazu, dass dieser Radius von 90 Metern nicht voll ausgenutzt werden kann:

  • Die Verwendung von kreuz und quer laufenden Kabelstreckenauf den Etagen.
  • Die Notwendigkeit, Kabel um Hindernisse wie z. B. um Versorgungsschächte undLichthöfe herum, zu verlegen.
  • Die Notwendigkeit, eine behindernde Häufung von Kabeln vor dem Verteilerraum zu vermeiden. In diesen Bereichen finden wir zudem oft auch noch die Leitungen anderer Hausversorgungsdienste.
  • Die Notwendigkeit, am Patchfeld und gelegentlich auch zwischen den Datendosen eine Kabelreserve vorzuhalten, damit spätere Änderungen und Verlegungen möglich sind.

Auch die Form des Gebäudes kann dazu beitragen, dass sich die anschließbare Fläche weiter verringert. Aufgrund der Standorte der Steigleitungen werden die Verteilerräume häufig unweit des zu nutzenden Raumesplatziert. Der Einsatz asymmetrischer Steigleitungen, bei denen die zu versorgende Fläche an mehrere Verteilerräume angeschlossen wird, was die Flexibilität und die Redundanz erhöht, ist ebenfalls in Erwägung zu ziehen. In der Praxis ist es oft recht schwierig, eine Mietfläche von mehr als 1000 Quadratmetern mit einem einzigen EDV-Verteilerraum zu erfassen. Man sollte hier eher von 500 Quadratmetern als Richtwert ausgehen.

Bei Verteilerräumen, die ausschließlich für Sprachkabel vorgesehen sind, gelten andere Mindestabmessungen als bei Räumen, die Sprach-und Datensysteme beherbergen. Da für Sprachübertragungen der Steigleitungsschrank nur die Patchfelder der Telefonleitungen aufnehmen muss, geben diese Patchfelder die Mindestgröße des Schrankes vor.

Ein Verteilerschrank oder Verteilerraum für Sprach- und Datenkabel sollte dagegen so groß sein, dass die Gestellrahmen für die Herstellung der Verbindungen sowie für die benötigte LAN-Elektronik dort untergebracht werden können. Weiterhin sollte ein Techniker bequemen Zugang zu den Vorder- und den Rückseiten der Verteilerschränke haben, und es müsste ausreichend Platz für wandmontierte Verteiler vorhanden sein.

Das Design der Verteiler sollte eine flexible Erweiterung sowie die Einrichtung von Unterstationen oder Computerräumen in den Abteilungen ermöglichen. Es wäre zudem wünschenswert, eine eindeutigeTrennung zwischen Flächen für passive Strukturelemente wie Steigleitungen und dem für aktive Elektronik vorgesehenen Raum vorzunehmen, um:

  • die Gefahr des Ausbreitens von Bränden durch dieSteigleitungen zwischen den Etagen zu senken.
  • die Rohre und Kanäle der Heizungs-/Lüftungs- und Klimaanlagen nicht zusammenmit den Kommunikationskabeln zu verlegen.
  • eine eindeutige Abgrenzung der Management-Verantwortlichkeiten zu fördern.

Dort, wo man sich den Raum mit anderen Versorgungsdienstenteilen muss, sollte man zur Erhöhung der Sicherheit der Mieter, des Gebäudes und der IT-Dienste nur Kabel mit dem vorgeschriebenen Brandverhalten verwenden.

In einen Verteilerraum für Sprach- und Datenkommunikation ist ein doppelter Boden wünschenswert, in dem die Kabel von der Steigleitung hereingeführt und an die Verteiler und die andere Technik im Raum angeschlossen werden. Für die Verbindung von Kabeltrassen im Verteilerraum mit der Steigleitung ist ausreichend Platz vorzusehen.

Die wichtigsten Ausrüstungsteile eines Verteilerraumes sind die Komponenten, die die Kabel und die Geräte aufnehmen. Steigleitungen werden zumeist von unten zugeführt und verlassen den Raum in Deckenhöhe wieder. Die Kabel für die Etagenverteilung können in Abhängigkeit von den Verteilerkomponenten in jeder Höhe herausgeführt werden (an der Decke, in Sockelleisten oder Unterflur). Im Allgemeinen werden die Kabel in Kabelwannen verlegt, während die Patchfelder und ähnliche Komponenten in 19 Zoll Verteilerschränken oder offenen Racks befestigt werden. Der Mindestradius einer Kabeltrasse sollte so bemessen sein, dass er auch für die am wenigsten biegsamen Kabel – für gewöhnlich mehradrige Kupfer- oder GlasfaserKabel – nicht zu klein ist.

Da sich normalerweise niemand lange Zeit im Verteilerraum aufhält,befindet sich dieser Raum üblicherweise in der Raumtiefe C. Er hat keine Fenster und auch die ästhetischen Ansprüche hinsichtlich seiner Ausstattung halten sich in Grenzen, obwohl Wände, Decken und der Unterboden vor dem Eindringen von Staub geschützt sein müssen. Der wichtigste Punkt ist die Zutrittskontrolle und die Gewährleistung der Sicherheit, wenn der Verteilerraum nicht besetzt ist. Für diesen Zweck genügen eine abschließbare Tür, eine angemessene Brandklasse und die Feuerversiegelung sämtlicher Kabeleinführungen. Rauchdetektoren sollten ebenfalls installiert sein, um zu verhindern, dass sich in einem abgeschlossenen Raum unbemerkt Feuer entwickeln kann.

Um den Technikern die Arbeit im Raum zu erleichtern, dürfenauch eine entsprechende Beleuchtung sowie andere Hausinstallationen nichtfehlen. Die Bereitstellung der benötigten Stromversorgung und Erdung sollte voneinem relativ fremdspannungsfreien Pult aus erfolgen. Auch auf eine ausreichendeKühlung für die Elektronik ist zu achten.

(Frei übersetzt aus dem Englischen. Eine Gewähr für den Inhalt oder die Richtigkeit der übersetzten Version wird nicht übernommen.)

Author: Luc Adriaenssens (Systems Applications Director)

Mit freundlicher Genehmigung von Systimax Solutions (Avaya Deutschland GmbH)


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