Wireless LAN Standarts - Funklans mit 11 Megabit sind kein Auslaufmodell

12.11.2002
Fachleute gehen davon aus, dass die Regulierungsbehörden in Europa im Lauf des nächsten Jahres den Einsatz von Wireless LANs nach dem IEEE Standard 802.lla gestatten.

Der Anwender muss sich dann entscheiden. Will er eine Technik mit hoher Datenrate, aber geringer Reichweite wie 802.11a, oder bevorzugt er ein robustes 802.11b-Netz mit 11 MBit/s und größerer Reichweite? Wir befragten dazu Mario Rieth, den Vertriebsleiter Deutschland, Österreich und Schweiz von Proxim.

NetworkWorld: "Herr Rieth, die Wireless Lan Standards IEEE 802.11a und b sind nicht kompatibel. Was soll nun ein Unternehmen tun, das ein Wireless LAN aufbauen will, etwa Adapterkarten und Access Points einsetzen, die für beide Techniken ausgelegt sind?"

Mario Rieth: "Generell ja, weil sich mit solchen Adaptern die Vorteile beider Standards nutzen lassen. 802.11a bietet dem Anwender mit 54 MBit/s eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit, die allerdings auch bei voller Sendeleistung nur in einem relativ kleinen Radius um den Access Point erreicht wird. 802.11b hat eine geringere Bruttodatenrate von bis zu 11 MBit/s. Dafür ist die Lösung im Praxiseinsatz robuster und erfordert weniger Access Points zur Ausleuchtung einer Fläche. Mit einer Combo Card kann der Anwender theoretisch beide Szenarien abdecken"

NetworkWorld: "Warum nur theoretisch?"

Rieth: "Die RegTP [Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post; d. Red.] hat gegen den Einsatz von 802.11a Systemen in Deutschland an die Bedingung einer deutlich reduzierten Sendeleistung geknüpft. Im Klartext heißt das, die ohnehin geringere Reichweite von 802.11a verringert sich nochmals. Und das hat eine höhere Dichte der Access Points und damit auch höhere Kosten für ein Funklan zur Folge."

NetworkWorld: "Wo liegt dann der praktische Nutzen von 802.11-a/b-Karten?
Rieth: Wer heute ein Wireless LAN aufzubauen hat, sollte sich nicht von vornherein auf einen Standard festlegen. Adapter, die 802.11a und b unterstützen, bieten die Vorteile beider Techniken: extrem schnelle Anbindung im relativ flexiblen 5-GHz Band und die robustere Vernetzung mit größerer Reichweite im stärker frequentierten 2,4-GHz Bereich. Ein weiterer Vorteil liegt in der größeren Mobilität. Wer beispielsweise mit seinem Notebook häufig in den USA unterwegs ist, kann sich mit einer Kombikarte in die dortigen 802.11a-Funknetze einloggen. Diese Technik wird in Nordamerika 802.11b mittelfristig ablösen. Proxim ist in beiden Welten mit einer umfangreichen Produktpalette vertreten. Die logische Konsequenz ist die 802.11a/b Combo-Card, die speziell auf die Anforderungen von Geschäftskunden zugeschnitten ist.

NetworkWorld: "Worauf sollten Unternehmen dann achten, die ein zukunftssicheres Funklan aufbauen wollen?"

Rieth: "In jedem Fall müssen sie vor der Kaufentscheidung genau analysieren, welcher Arbeitsplatz in der Praxis welche Performance benötigt. Nicht überall sind Nettodatenraten von 20 bis 25 MBit/s notwendig, wie sie 802.11a bereitstellt. Kom­bikarten werden dort zum Einsatz kommen, wo bereits heute Flexibilität bei der Standardaus­wahl das wichtigste Entschei­dungskriterium ist."

NetworkWorld: "Sind reine 802.llb-Adapter damit ein Aus­laufmodell?"

Rieth: "Nein, solange die aktuel­len Bestimmungen der RegTP gültig sind, behalten die 802.11b Karten mit ihren 11 MBit/s ihre Daseinsberechti­gung, auch deshalb, weil es sich um eine robuste, ausgereifte Technik handelt. Nicht von der Hand zu weisen ist außerdem die Überlegung, zunächst weiter auf bewährte Wireless Lan Lösungen zu setzen, bis die IEEE­ Standards verabschiedet sind, die zurzeit in Arbeit sind. Das ist zum einen 802.11g mit 54 MBit/s im 2,4 GHz Band und 802.11h, der 5 GHz verwendet. In jedem Fall sollte der Anwen­der bei der Auswahl der Access-Points darauf achten, dass sie al­le derzeit verfügbaren Stan­dards unterstützen, das heißt 802.11a und b. Zum einen des­halb, weil Zugangspunkte in der Anschaffung deutlich teurer sind als Adapterkarten. Zum an­deren ist es meistens mit einem erheblichen Aufwand verbun­den, in einem Inhousenetz oder einem Hotspot alle Access-Points zu demontieren und gegen neue Modelle auszutauschen."


© copyright @ Bachert Datentechnik GmbH 2018