eco stellt nationales WLAN-Funknetz Greenspot für mobiles Internet vor

18.03.2003
Greenspot soll die bundesweite Nutzung von WLAN-Hotspots wesentlich vereinfachen. Unter dem Namen Greenspot hat der eco Forum Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. auf der CeBIT erstmals ein Konzept für ein deutschlandweites öffentliches Funknetz auf Basis des Standards Wireless Local Area Network (WLAN) vorgestellt.
eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V.

Dadurch können Notebooks, PDAs und Smartphones unterwegs eine drahtlose Internetverbindung mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von zunächst bis zu 11 Mbit/s und später 54 Mbit/s herstellen.

Das Greenspot-Netz ist damit schon zum Start etwa 140 Mal schneller als UMTS.

Greenspot soll unmittelbar nach der CeBIT in Berlin, Hamburg, Köln und München sowie im Ruhrgebiet und im Rhein-Main-Gebiet in den nicht öffentlichen Testbetrieb gehen. Für den Herbst ist der Start des öffentlichen Regelbetriebs geplant. Ähnlich wie UMTS wird Greenspot zunächst nicht flächendeckend verfügbar sein, sondern sich aus einem wachsenden Netz von Funkzonen zusammensetzen.

Harald A. Summa, Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft, zieht den Vergleich der beiden neuen Funknetze: „Für Datenanwendungen mit Notebook, PDA und Smartphone ist WLAN die mit Abstand bessere Wahl. UMTS hat für Handys vor allem in der Verknüpfung von Telefonie und Datendiensten – Stichwort Voice-UMTS – seine Berechtigung. Das mobile Internet, das die Mobilfunkbranche seit Jahren anpreist, wird jedoch nicht mit UMTS, sondern mit Greenspot zum Leben erweckt.“

Einfache Nutzung für den Kunden mit jeder WLAN-Funkkarte

Für den Kunden ist die Nutzung von Greenspot ganz einfach. Er ruft auf seinem Mobilgerät die Browsersoftware wie gewohnt auf und erhält zum Start automatisch eine Login-Seite von Greenspot, sofern er sich im Bereich einer Funkzone befindet. Im Browser gibt er Benutzernamen und Passwort ein – schon ist er drin. Greenspot arbeitet mit praktisch allen auf dem Markt verfügbaren WLAN-Funkkarten für Notebooks und PDAs zusammen. Das gilt insbesondere für Mobilgeräte, die bereits intern mit WLAN-Funktion (manchmal auch WiFi für Wireless Fidelity genannt) ausgestattet sind.

Während UMTS durch ein staatliches Lizenzverfahren strikt geregelt ist und nur von einigen wenigen Netzbetreibern vorangetrieben wird, setzt Greenspot auf ein „chaotisches Marktwachstum“, vergleichbar der Art und Weise, in der das heutige Internet entstanden ist. Jedes Unternehmen kann ohne Lizenzen WLAN-Funkzonen einrichten und diese nach Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen an das Greenspot-Netz anschließen. eco versteht dies vor allem als Einladung an die Internet Service Provider (ISP), sich im mobilen Internetmarkt zu engagieren. 28 Unternehmen haben schon zum Start ihre Teilnahme bei Greenspot zugesagt.

Dazu gehören:

access:Seven Communications GmbH,
acoreus AG,
arvato systems GmbH,
BlueSign Software GmbH,
cl:k Agentur für Kommunikation,
datenaura.com,
Dr. Ulrich Bellmann, Ing. Büro für GSM- und Datentechnik,
ecobill GmbH,
Garderos GmbH,
HMO Management Consult,
internet & network security oHG,
interxion telecom GmbH,
klickTel GmbH,
lit Consulting GmbH,
Logica Consulting GmbH,
MainSurf GmbH,
marketing society,
PHÖNIX Gründerzentrum,
PiroNet NDH AG,
Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen Berlin,
softkonzept GmbH,
SQS Software Quality Systems AG,
Stephan Richter Medienberatung,
Talkline GmbH & Co KG,
telemach communication solutions GmbH,
teuto.net Netzdienste GmbH,
WaveVision AG sowie
Westend GmbH.

Technisch hält sich Greenspot an alle internationalen WLAN-Standards.

Dies sind vor allem die Funknorm IEEE 802.11x des Institute of Electrical and Electronic Engineers und die von der WiFi Alliance aufgestellten Best Current Practices for Wireless Internet Service Provider Roaming (WISPr). Der eco-Verband regelt auf dieser Grundlage mit Greenspot die für ein öffentliches Netz wichtigen Aspekte Authentifizierung (Identifizierung des einzelnen Benutzers zum WLAN-Dienst), Autorisierung (Zugang zum mobilen Netz nach Sicherheitsüberprüfung) Accounting (Abrechnung und Rechnungsstellung) und Clearing auf nationaler Basis.

Greenspot sieht neben dem Kunden zwei verschiedene Marktteilnehmer vor: Service Provider und WISP Operator. Die SP-Firmen haben wie heute schon ein Vertragsverhältnis mit ihren Kunden, denen sie künftig neben einem Festnetzzugang auch den mobilen Zugang zum Internet anbieten. Die WISP Operator betreiben WLAN-Funkzonen, in die sich der Kunde unterwegs einloggt. Ein Unternehmen kann gleichzeitig als Service Provider und WISP Operator tätig sein.

Greenspot-Zonen überall ähnlich wie Akzeptanzstellen für Kreditkarten

Das eco-Konzept weist starke Analogien zum Kreditkartengeschäft auf. Der Service Provider entspricht dem Emittenten, der die Kreditkarte herausgibt und zu der der Kunde ein Vertragsverhältnis hat. Die WISP Operator sind vergleichbar mit dem Acquirer, der Akzeptanzstellen akquiriert, an denen man per Kreditkarte bezahlen kann. Sie sorgen für die Einrichtung und Betrieb von Funkzonen in Hotels, Business Centern, Flughäfen, Bahnhöfen, Messen, öffentlichen Plätzen, Gewerbegebieten, Schwimmbädern usw. Ein bundesweit einheitliches Greenspot-Logo ähnlich dem Kreditkartenlogo am Hoteleingang usw. hilft dem Kunden, Funkzonen zu finden. Letztlich zeigt ihm das mobile Gerät an, ob eine drahtlose Verbindung zum Internet hergestellt werden kann. eco als Trägerverband von Greenspot übernimmt die Rolle der zentralen Clearingstelle, vergleichbar den Kreditkartenorganisationen Visa und Mastercard.

Der Verband der deutschen Internetwirtschaft hat Erfahrung mit einem solchen Modell. Er betreibt seit 1995 den zentralen deutschen Internet-Austauschknoten DE CIX, über den rund 85 Prozent des gesamten deutschen Internetverkehrs fließt. Auch hierbei unterhält der Kunde nur ein einziges Vertragsverhältnis mit „seinem“ ISP, kann jedoch die Netze aller an den DE-CIX angeschlossenen Provider nutzen, um alle Teilnehmer und Server im Internet zu erreichen.

Die Kosten für die Nutzung des mobilen Internet findet der Kunde bei Greenspot auf der Monatsrechnung seines Service Providers. Beim Einloggen in eine Funkzone unterwegs erfährt er die jeweiligen Gebühren, die von Zone zu Zone unterschiedlich sein können. Mit dem Einloggen akzeptiert er diese Kosten und zahlt sie mit seiner monatlichen Service Provider Rechnung. Ähnlich wie auch heute jeder Service Provider frei ist bei der Festlegung seiner Tarifstruktur sieht auch Greenspot kein starres Tarifmodell vor. Das Surfen in einer stark frequentierten WLAN-Zone etwa an einem Flughafen kann also teurer sein als die Nutzung in einem ländlichen Gebiet. Auch die Frage, wo WLAN-Funkzonen errichtet werden, überlässt eco dem freien Spiel des Marktes. Durch eine strikte Aufsicht soll allerdings ähnlich wie beim DE-CIX gewährleistet werden, dass alle Funkzonen den hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen von Greenspot genügen.

Greenspot schafft wirtschaftliche Basis für den WLAN-Markt in Deutschland

Harald A. Summa erklärt: „Mit Greenspot hat der Verband der deutschen Internetwirtschaft erstmals eine wirtschaftliche Grundlage für den WLAN-Markt in Deutschland geschaffen. Es liegt jetzt bei der Industrie, auf dieser Basis ihr Geschäft zu entwickeln. Die Service Provider und WISP müssen einen Greenspot-Tarif für ihre Kunden festlegen, die WISP Funkzonen aufbauen bzw. die schon bestehenden Zonen fit machen für das zentrale Greenspot-Clearing.“

Nach Recherchen von eco handelt es sich bei Greenspot um die erste nationale Initiative für ein WLAN-Netz weltweit, die von einer Non-profit-Organisation getragen wird. Der eco-Verband stuft diesen Ansatz als entscheidend für die Entwicklung des WLAN-Marktes ein und versteht das deutsche Modell in diesem Sinne auch als weltweites Vorbild. Dazu Harald A. Summa: „Eine nicht-kommerzielle Organisation als Träger muss die Grundlage schaffen, auf der sich Angebot und Nachfrage im freien Spiel der Kräfte entwickeln können. Wie gut dieses chaotische Wachstumsprinzip funktioniert, hat die atemberaubende Geschwindigkeit gezeigt, mit der sich das Internet innerhalb weniger Jahre weltweit verbreitet hat“. Wie der eco-Chef betont, sind die UMTS-Netzbetreiber „herzlich eingeladen, bei Greenspot mitzumachen. Der Markt ist vermutlich groß genug für WLAN und UMTS“, gibt sich der Verbands-Geschäftsführer versöhnlich.

Quelle: eco Electronic Commerce Forum - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.V. 2003


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