eco: Es geht nicht um Nerds, deren Kühlschränke selbst Milch bestellen

03.02.2018
Einige der Versprechen, auf die wir lange gewartet haben, werden gerade eingelöst, sagt Harald A. Summa, Hauptgeschäftsführer von eco im Interview.
eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Welche Rolle die neuesten Internettrends dabei spielen und wie Unternehmen und ihre Mitarbeiter davon profitieren können, erklärt er im Interview.

Herr Summa, die Internettrends 2018 sind smarte Ökosysteme, Künstliche Intelligenz, Blockchain und New Work. Wichtige Begriffe sind außerdem: Internet of Things, Smart Home, Smart City, Industrial IoT und Cloud Computing. Wie hängen diese Begriffe miteinander zusammen?

Ich sehe gerade, wie das Internet endlich einige der Versprechen einlöst, auf die wir lange gewartet haben und ich glaube, dass rund um diese Themen viel Gutes entsteht. Nehmen wir das Stichwort „smart“. Lange Zeit musste als Beispiel für eine smarte Welt der Kühlschrank herhalten, der sich selber Milch bestellt und den angeblich niemand will. Das hat sich geändert. Es hat sich herumgesprochen, dass smarte Lösungen nicht nur sehr praktisch sein können, sondern bei einer weiter steigenden Zahl von Menschen, die ja auch alle am Wohlstand teilhaben wollen und sollen, überlebenswichtig sind.

Denken wir an die Bereiche Landwirtschaft und Energie. Beide erfüllen sehr grundlegende Bedürfnisse und beide müssen wir künftig noch sehr viel effizienter betreiben. Das gelingt, auch, mit smarten Lösungen. Wer das verstanden hat, für den heißt smart nicht, dass ein paar Nerds Kühlschränke haben, die sich selbst die Milch bestellen. Sondern dass alle genug zu essen bekommen.

Am Wohlstand teilhaben, das ist zunehmend gleichbedeutend mit: an der digitalen Wertschöpfung teilhaben. Viele halten das langfristig für schwierig. Was raten Sie Unternehmen und deren Mitarbeitern? Was können sie tun, um bei der nächsten Stufe der Digitalisierung mithalten zu können?

Kompetenzen ausbauen. Ganz wichtig dabei: die Lust, Neues zu entwickeln und die Zuversicht, das auch zu schaffen. Das klingt ein bisschen allgemein, aber ich kann es auf ganz konkrete Aufträge herunterbrechen. Bei Unternehmen ist das Ziel, Strukturen zu schaffen, die flexibel genug sind, um auf Neues zu reagieren – und gleichzeitig nicht auf Sicht zu navigieren; weniger über Ziele nachdenken und mehr über Problemstellungen und Wege.

Harald A. Summa, Hauptgeschäftsführer von ecoDazu passend suchen wir Teammitglieder, die nicht-linear denken können. Ein Beispiel ist der Mitarbeiter, der nicht versucht, unersetzlich zu sein, sondern der im Gegenteil an seiner eigenen Automatisierung oder am besten der Automatisierung des ganzen Unternehmens arbeitet. Wer so denkt, ist frei von Besitzstandsdenken und empfiehlt sich so im Idealfall für höhere Aufgaben – bevor jemand anders kommt und ihn samt der von ihm erbrachten Dienstleistung überflüssig macht.

Von der deutschen Wirtschaft gab es zuletzt viele positive Meldungen: Steuereinnahmen, Exporte, Beschäftigungsquote, Wirtschaftswachstum. Gleichzeitig sind uns andere Länder auf dem Weg in die Gigabitgesellschaft voraus. Geht es uns zu gut?

Ich bin keiner derjenigen, bei denen Erfolgsmeldungen die Alarmglocken klingeln lassen. Ich finde, man darf sich über einen Erfolg auch freuen. Wir haben die besten Voraussetzungen, bei der Digitalisierung vorne mitzumischen. Gerade bei den Trendthemen 2018 sind die Claims noch nicht endgültig abgesteckt. Beim Industrial Internet of Things sind wir gut dabei und beim Cloud Computing können wir Standortvorteile wie unser hohes Datenschutzniveau ausspielen.

Aber die Digitalisierung ist kein Selbstläufer und Rahmenbedingungen verändern das Geschäft, das merken wir zum Beispiel am Standort Frankfurt. Frankfurt ist für die Rechenzentrumsbranche einer der Top drei Standorte Europas. In dieser Liga spielen nur noch Amsterdam und London, wobei London alles andere als optimistisch in die Zukunft schaut. Der Grund dafür ist rein politisch: der Brexit.

Um Ihre Frage zu beantworten: Nein, zu gut geht es uns sicherlich nicht. Wir sollten aber unsere komfortable Situation nutzen und mehr in unsere digitale Zukunft investieren. Viel mehr.

Quelle: eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. 


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