eco zur eRechnung - „Wir brauchen unkomplizierte Lösungen“

19.03.2016
Während die Digitalisierung an vielen Stellen der Wirtschaft voranschreitet, entwickelt sich die Verbreitung elektronischer Rechnungen noch immer schleppend
eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.

Die Gründe dafür sind vielfältig, wie Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, Leiter der eco Kompetenzgruppe E-Commerce, weiß. Im Interview erläutert er bestehende Hürden und zeigt Lösungen auf.

Herr Prof. Dr. Hofmann, seit dem 1. Juli 2011 ist in Deutschland die elektronische Rechnung der klassischen Papierrechnung gleichgestellt und am 25. Juni 2014 wurde der Standard „ZUGFeRD“ vorgestellt. Wie bewerten Sie seither die Akzeptanz elektronischer Rechnungen?

Elektronische Rechnungen auf der Basis bilateraler Absprachen zwischen Aussteller und Empfänger sind mittlerweile gang und gäbe – wie die großen Onlinehändler (beispielsweise Amazon) oder auch Dienstleister wie die Telekom zeigen. Was ZUGFeRD angeht, da sehen wir eher eine passive, doch sehr umfangreiche Akzeptanz.

Viele Verbände, Regierungsstellen, Institutionen und so weiter unterstützen ZUGFeRD, seine Benutzung wird empfohlen. Es mangelt aber an der aktiven Akzeptanz von ZUGFeRD durch die Anwender in der gewerblichen Wirtschaft und der Praxis. Da sehen wir eher eine zurückhaltende Position, was die aktive Benutzung dieses Standard-Vorschlags angeht.

Die potenziellen Einsparungen und Effizienzsteigerungen sollen enorm sein. Warum stellen nicht mehr Unternehmen auf die elektronische Rechnung um?

Prof. Dr. Georg Rainer Hofmann, Leiter der eco Kompetenzgruppe E-CommerceDas haben viele der großen Unternehmen schon gemacht. EDIFACT und seine Derivate sind in den internationalen und großen Firmen weit verbreitet. Kleine Firmen und Handwerker scheuen offenbar die Basiskosten einer Umstellung, obwohl diese insgesamt rentabel sein könnte. Auch Probleme mit der Rechtssicherheit dürften eine Rolle spielen – die elektronische Rechnung muss gegenüber der Finanzverwaltung einwandfrei sein.

Möglicherweise ist ja auch das Thema Sicherheit ein Hinderungsgrund: Wie lässt sich diese bei elektronischen Rechnungen verbessern?

Indem man sich konsequenterweise die Bedarfe der Anwender anschaut. Wir brauchen unkomplizierte Lösungen, auch Ad-hoc-Lösungen, die aber rechtlich korrekt sind. Hilfreich kann das Angebot Cloud-basierter zertifizierter Dienste sein, die sich an Musterprozessen der Anwender orientieren, sodass diese sich leicht in den Szenarien wiederfinden. Nicht nur die E-Rechnung selbst muss standardisiert werden, sondern auch deren (internationale) Interoperabilität und Prüfungsstandards.

Welche Rolle könnte Ihrer Meinung nach eco bei der Verbreitung der elektronischen Rechnungen spielen?

eco versteht unter „Internetwirtschaft“ sowohl die Wirtschaft für das Internet als auch die Wirtschaft im Internet. Vor diesem Hintergrund kann eco einen wertvollen Beitrag für die Anwender und Mitglieder leisten, indem der Handlungsbedarf und mögliche Handlungsrahmen identifiziert werden: Wer sollte wann in welcher Form was unternehmen und investieren, um den Gegenstand weiter voranzubringen? Welcher Beitrag muss seitens der Internetpolitik geleistet werden? Diese Fragen werden uns in der nächsten Zeit beschäftigen.

Quelle: eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.


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