eco: Wir stehen vor Gesundheitsschub oder Healthcare-Horror

31.10.2015
Smart Healthcare: Erfassung und Auswertung der Vitaldaten von Millionen von Menschen steht bevor
eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.

Das Potenzial der Erfassung und Auswertung von Gesundheitsdaten im großen Stil wird völlig unterschätzt, erklärt eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. anlässlich der Internet Security Days. Der Verband begründet: Der Trend zu Fitnessarmbändern und Smartwatches führe zu einer stark steigenden lückenlosen und automatisierten Erfassung der Vitaldaten von Millionen von Menschen. Die Nutzung dieser persönlichen Daten werde den Nährboden für eine neue Ära der Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft in einem heute noch kaum vorstellbarem Ausmaß bilden, prognostiziert eco. Der Verband spricht von „Smart Healthcare“ mit zahlreichen neuen Geschäftschancen für innovative Unternehmen mit Gespür für digitale Ökosysteme im Gesundheits-wesen. Gleichzeitig fordert eco einen besonders verantwortungsbewussten Umgang mit diesen sensiblen Daten und warnt vor der Entstehung einer „Gesundheits-Schufa“. „Richtig angefasst, kann es zu einem Gesundheitsschub für die Menschen führen, falsch angefasst zu einem Healthcare-Horror, sagt Arzu Uyan, Leiterin der Kompetenzgruppe Smart Environment bei eco.

In diesem Zusammenhang weist eco auf die Veranstaltung „Der digitale 6. Sinn“ mit Arzu Uyan als Sprecherin hin. Die halbtägige Veranstaltung findet am 20. Oktober im Rahmen der Internetwoche Köln statt. Weitere Informationen: https://smart.eco.de/2015/events/internetwoche-koeln-smart-home-smart-city.html.

Vielfältiges Interesse an Gesundheitsdaten

Arzu Uyan, Leiterin der Kompetenzgruppe Smart Environment bei eco

Maik Morgenstern, Chief Technology Officer des AV-Test Institut in Magdeburg, erläuterte auf den Internet Security Days: „Aktivitätenmesser, GPS-Position, Hauttemperatur, Herzschlag, Puls, Kalorienverbrauch, Laufgeschwindigkeit, Schlafphasenüberwachung, Schrittzähler, Stresslevel... viele Verbraucher sind sich nicht bewusst, welche persönlichen Daten sie über Fitnesstracker und Smartwatches sammeln und in der Regel an eine App weitergeben. Vor allem aber sind sich die Verbraucher nicht darüber im Klaren, welche Rückschlüsse auf sie persönlich durch die Auswertung dieses kontinuierlichen Datenflusses möglich sind“. Als „Interessenten“ für diese Daten nennt eco Ärzte, Krankenhäuser, Krankenkassen, Versicherungen, die Werbewirtschaft, eine neue Unternehmensgeneration und nicht zuletzt den Staat sowie „die ganze Schar der Cyber-Kriminellen“.

„Daten sind der Rohstoff der Zukunft“ sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Digitalisierungs-kongress. Millionen von Menschen sind derzeit dabei, diesen Rohstoff aus ihren ganz persönlichen medizinischen Daten herzustellen, ohne dass geklärt ist, ob und wie sie von diesem Rohstoff profitieren können, warnt eco.

Milliardenmarkt digitale Gesundheitswirtschaft

„Krankenkassen wie die AOK und die Techniker Krankenkasse haben über ihre Bonusprogramme die finanzielle Förderung von Fitnesstrackern und Smartwatches begonnen. Das wirft schon die Frage auf, ob die Aussage, dass die Krankenkassen an den Gesundheitsdaten ihrer Kunden nicht interessiert seien, auf Dauer zu halten sein wird“, sagt Maik Morgenstern. eco verweist auf die jüngste Ankündigung von IBM, die mit der Apple Watch erhobenen Gesundheitsdaten mittels Künstlicher Intelligenz auswerten und Versicherungen zur Verfügung stellen zu wollen.

„Wenn die Vitaldaten derart relevant werden, muss sichergestellt sein, dass sie überhaupt stimmen. Wer hindert einen behäbigen Menschen daran, seinen Fitnesstracker einem sportlichen Nachbarn mitzugeben, um eine bessere Versicherungspolice zu erhalten? Bieten Fitnesstracker überhaupt ausreichenden Schutz vor der Manipulation durch Cyber-Kriminelle?“, wirft Arzu Uyan Fragen auf, die laut eco Gesellschaft, Wirtschaft und Gesetzgeber beantworten sollten, bevor die digitale Gesundheitswirtschaft zum Milliardenmarkt wird.

Quelle: eco – Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V.


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