Verkabelungswissen: Anforderungen an eine LAN Backbone-Verkabelung

30.12.2002
Das Rückgrat moderner Kommunikation im Unternehmen ist das Backbone

Die Backbone-Verkabelung innerhalb von Gebäuden umfasst die Verbindungen der Kommunikationssysteme, die die Dienste vom Gebäudeanschluss bis zum Nutzer übertragen.

In der Mehrzahl der Gebäude besteht die Hauptverkabelung aus Steigleitungen, die mit den Verteilerräumen und sonstigen Betriebsräumen verbunden sind.

Zahlreiche Gebäude besitzen mehrere voneinander unabhängige IT-Backbone-Untersysteme, sowie separate Systeme für Stromversorgung und andere Versorgungsdienste, zum Beispiel:

 

  • Nebenstellenanlagen – Mehrpaarige Kabel mit hoher Adernzahl verbinden den  Fernsprech-Hauptverteiler mit den Verteilern auf den einzelnen Etagen.<//font><//font></><//>
  • Dienste der Service Provider in der Verkabelung der Netze.
  • Verkabelung für Terminals – Datenkabel verbinden Controller im Computerraum mit einzelnenTerminals oder qualitativ hochwertige Datenkabel / Glasfasern verbinden den Computerraum mit Multiplexern oder Controllern im lokalen Technikraum.
  • Lokale Netze (LAN) – Hochwertige Datenkabel verbinden Switche in lokalen Technikräumen mit dem Computerraum und mit Layer-3 Switchen, Routern und Gateways für externe Netze.
  • Gebäudemanagement – Weitere Kabeltypen sind möglicherweise erforderlich. Dies betrifft zum Beispiel die Einrichtung von Sicherheitssystemen, Umgebungssteuerungen, Zutrittskontrollen und Lautsprecheranlagen.

Die Notwendigkeit der Installation mehrerer separater Backbones in einem Gebäude erhöht die Anforderungen an die Planung der Verkabelung sowie an die Installation. Zudem wird die Abschätzung des für die Hauptverkabelung benötigten Platzes erschwert. Weiterhin gestaltet sich das Management und die Erweiterung dieser Systeme kompliziert, da jedes getrennt verwaltet werden muss.

Die weitgehende Übernahme strukturierter Verkabelungen hat zumindest diesen Aspekt wesentlich erleichtert, da nun jeder Kabeltyp für eine Vielzahl von Kommunikationsanforderungen geeignet ist. Trotzdem gelten für die unterschiedlichen Kabeltypen bestimmte Einschränkungen hinsichtlich der möglichen Anwendungen und spezieller Parameter, und das Planungsteam sollte bei der Auswahl den Verwendungszweck des Gebäudes und eine möglichst lange Nutzungsdauer berücksichtigen.

Die Tendenz geht eindeutig in Richtung weniger hochbitratiger Channels im Backbone und weg von einer großen Anzahl langsamer Links. Diese schnellen Übertragungswege basieren zunehmend auf optischen Fasern anstatt auf Kupferkabeln. So verringern sich die durch die Vielzahl unterschiedlicher Backbones aufgeworfenen Probleme und die Planung des Steigbereichs und anderer Hauptverteiler wird wesentlichv ereinfacht.

Steigbereich für Kommunikationskabel

Ältere Gebäude besitzen im Allgemeinen Steigleitungen für die Stromversorgung undS teigrohre für Wasser (Sprinkler, Abwasser und Trinkwasser), jedoch häufig keinen separaten Steigbereich für Kommunikationsanwendungen. Das heißt, die Kommunikationskabel müssen in die vorhandenen Kanäle, für gewöhnlich bei den elektrischen Steigleitungen mit untergebracht werden. Moderne Gebäude verfügen dagegen zumeist über mehr Platz für Steigleitungen, obwohl auch hier häufig die Größe der Kabelschächte nicht ausreicht.

Im Idealfall verlaufen die Kommunikationskabel in separaten Steigleitungskanälen, die sich im Bereich des Hauseigentümers befinden. Da es für gewöhnlich zu empfehlen ist, jeden Etagenverteiler an eine separate Steigleitung anzuschließen,sind die Standorte der Steigleitungen und der Verteiler voneinander abhängig und sollten daher auch zusammen geplant werden. Die Steigleitungen befinden sich im Prinzip zusammen mit den Fahrstühlen und der Feuertreppe in denVersorgungsschächten. 

Die Kommunikationskabel und die Stromversorgung, manchmal auch das Kühlwasser und die Belüftung werden in den jeweiligen Steigbereichen und/oder Betriebsräumen zu den Etagen geleitet. Da der Platz für die Sekundärverteilung aller Wahrscheinlichkeit nach ziemlich begrenzt ist, ist es von Vorteil, jeweils separate Steigleitungen und Betriebsräume einzurichten und vor allem die Kommunikationskabel getrennt von den anderen Steigleitungen zu führen. Da die Telekommunikationsdienste an mehreren Stellen in das Gebäude eingeführt werden können, sollten die Kabeltrassen von den Steigleitungen zu jeder einzelnen Kabeleinführung und zu den Standorten der Richtfunk- oder Satellitenantenne im Voraus geplant werden.

Die Mehrzahl der Gebäude wird irgendwann im Laufe der Zeit einmal untervermietet oder von mehreren Parteien genutzt.

Dieser Umstand kann Probleme hervorrufen,die vom Planungsteam zu berücksichtigen sind:

  • Telekom-Anschlüsse – Jeder Mieter wird wahrscheinlich eigene Kabel für den Zugang zu seinem Diensteanbieter benötigen. Um zu verhindern, das die Mieter darauf angewiesensind, sich ständig gegenseitig auszuhelfen, sollte der Hauseigentümer davon ausgehen, dass viele Dienste genutzt werden und daher ausreichend Kabelkanäle vorzusehen sind.
  • Verbindungen zwischen den Etagen – Wenn ein Mieter mehrere nicht aneinander angrenzende Etagen belegt, müssen diese über sichere Steigleitungen miteinander verbunden werden.
  • Verteilerräume – Die Mieter werden Verteilerräume einrichten müssen, die sich wahrscheinlich auf ihren Flächen befinden und die an die Steigleitungen des Hauseigentümers angeschlossen werden.

Die Abmessungen eines Steigleitungsschachtes können in Form des Querschnitts angegeben werden, der den Kabeln zwischen den Etagen zur Verfügung steht, oder als Breite der Kabelwanne bzw. Kabelpritsche, die in einem offenen Kabelschacht montiert wird. Die Steigleitungen sollten so bemessen sein, dass die Etage wie oben bereits erwähnt nach einer Untervermietung auch weiter aufgeteilt werden kann. Als Richtwert ist davon auszugehen, dass ausschließlich für Sprach- und Datenkabel genutzte Steigleitungsschächte pro 100 m2 anzuschließende Bürofläche 400 mm2 Platz bieten sollte, was einer Kabelwannenbreite von 10 mm Breite entspricht.

In vielen Gebäuden sind die ursprünglich nur für eine Versorgungsleitung geplanten Steigleitungsschächte heute völlig überbelegt, da dort nunmehr viele unterschiedliche Dienste wie lokale Netze, Nebenstellenanlagen, Gebäudemanagementsysteme und eventuell noch Wechselsprechanlagen, Fernsehen, Personenruf- und Sicherheitssysteme mit installiert sind. Außerdem erhöht die zunehmende Praxis der Installation von Glasfasern im Steigbereich für zukünftige Anwendungen den Druck auf die Aufnahmekapazität der Schächte. 

Vom Prinzip her führen die Trends in der Netztechnologie zu einem geringeren Bedarf an Backboneverkabelung (weniger Leitungen mit höherer Bandbreite) und an Platz für den Steigbereich. In der Praxis wirken die folgenden Faktoren jedoch in die entgegen gesetzte Richtung:<//span></><//>

  • Da es allgemein problematisch und auch kostenintensiv ist, nicht mehr benötigte Kabel zu entfernen und  man zudem häufig gar nicht weiß, welche Kabel noch verwendet werden oder nicht, werden neue Kabel einfach zusätzlich zu den vorhandenen Leitungen installiert.

  • Zukünftige Netztechnologien erfordern zuweilen immer noch den gleichen oder mehr Platz als man heute im Allgemeinen zur Verfügung stellt.

  • Es wird wahrscheinlich immer einige Angestellte oder Arbeitsgruppen geben, die besondere Informationsdienste mit speziellen Anforderungen benötigen.

Aus diesem Grund sollten die Steigleitungsschächte ausreichend bemessen sein, um alle anfangs geplanten Kabel plus das größte praktisch vorhersehbare System darin unterbringen zu können. Als Richtwert sollte man davon ausgehen, dass ein Schacht für Kommunikationskabel, der alle zu erwartenden Dienste berücksichtigt, für je 100 m2 anzuschließende Bürofläche 1250 mm2 bereitstellen sollte. Das entspricht einer Kabelwannenbreite von 30 mm.

Die Kapazität des Steigbereichs ist eines der Kriterien, die Unternehmen bei der Bewertung eines Gebäudes berücksichtigen. Daher kann eine mangelhafte Bereitstellung dazu führen, dass ein Gebäude schwierig oder nur unter Einräumung von Preisnachlässen zu vermieten ist. Um zu gewährleisten, dass der verfügbare Platz auch ausreichend bleibt und nicht von ineffizienten Technologien belegt wird, muss das Management der Verkabelungslösung auch nach der Vermietung weiter fortgesetzt werden.

Mit freundlicher Genehmigung von Systimax Solutions (Avaya Deutschland GmbH)


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